*Kinotipp* Die berührendste Metal-Doku aller Zeiten

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*Kinotipp* Die berührendste Metal-Doku aller Zeiten

Beitragvon Sammy23 » Donnerstag 20. Mai 2010, 19:08

unbedingt den Trailer auf der homepage anschaun...

Es scheint gerade auf jenen Musikern ein Fluch zu lasten, die in ihrem Genre eine wichtige Vorreiterrolle spielen - später haben sie selten etwas davon. Die Thrash-Speed-Metalband Anvil aus Kanada gibt ein gutes Beispiel ab für dieses Phänomen.

Sie waren zu Beginn der 80er Jahre Pioniere und verwendeten bereits damals Stilmittel, die deutlich später von Bands wie Slayer und Metallica aufgegriffen wurden und diese weltberühmt machten. Nun läuft in heimischen Kinos die berührende und dennoch unterhaltsame Doku "Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft" an.


Verehrt von Lars Ulrich, Lemmy und Slash
"Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft" mutet zu Beginn beinahe wie die berühmte fiktive Rockdoku "This Is Spinal Tap" an. Anvil werden da etwa auf dem frühen und kurzen Zenit ihrer Karriere 1984 bei einem Auftritt auf dem Superrockfestival in Japan gezeigt.

Ins Genre der Musikdoku passen auch Interviewausschnitte von Musikerkollegen und Anvil-Bewunderern wie Lars Ulrich (Metallica), Tom Araya (Slayer), Lemmy Kilmister (Motörhead) und Slash (ehemals Guns N' Roses), die allesamt bestätigen, dass Anvil für ihre eigene musikalische Entwicklung mehr als wichtig waren.


Essenausfahren statt Privatjet
Wer sich aber auf vergnügliche 90 Filmminuten gefreut hat, in denen Metal und die dazugehörigen Klischees ordentlich durch den Kakao gezogen werden, könnte möglicherweise enttäuscht sein.

Denn obwohl alles wunderbar hätte laufen können für Anvil, sammelt deren Gitarrist Steve "Lips" Kudlow heute keine Kunstwerke von Picasso oder fliegt im Privatjet von Festival zu Festival wie Ulrich. Kudlow muss sich seinen Lebensunterhalt mit dem Ausfahren von Essen in seiner Heimatstadt Toronto verdienen.


Zur falschen Zeit an den falschen Orten
Mitte der 80er waren Anvil einfach von der Bildfläche verschwunden, ohne sich jemals aufgelöst zu haben. Jenes Quäntchen Glück, das anderen Bands zum Durchbruch verhalf, war ihnen nicht vergönnt. Lemmy von Motörhead bringt es vermutlich mit der simplen Formel auf den Punkt, dass man eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein müsse.

Die verbliebenen Gründungsmitglieder Kudlow und Schlagzeuger Robb Reiner dürften ein untrügliches Talent dafür gehabt haben, immer zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein und sich mit den falschen Managern abzugeben. Selbst mit ihren Alben, die sich in den ersten Jahren nicht schlecht verkauft hatten, verdienten sie so gut wie kein Geld.


Desaströse Europa-Tournee
So tragisch, wie das klingt, ist zuweilen dieser Film. Auch wenn man nie gedacht hätte, das jemals über eine Metal-Doku sagen zu werden: Der Film rührt einen streckenweise beinahe zu Tränen.

Eine desaströse Tour durch Europa in halbleeren Clubs und Festivalauftritte als erste Band am Vormittag, Veranstalter, die aus abstrusen Gründen die Gage nicht zahlen, und eine hoffnungslos überforderte Tourmanagerin sind nur der Anfang.

Wirklich zu Herzen geht es, wenn Kudlow drei Tage lang vergeblich versucht, als Telefonverkäufer Geld für das 13. Anvil-Album aufzutreiben, und ihm schlussendlich seine ältere Schwester das Geld für die Produktion vorstreckt.


Neue Hoffnung mit altem Produzenten
Dass sich auch diese Aufnahmen zusammen mit Chris Tsangarides, ihrem Produzenten aus den Anfangstagen, fatal gestalten und fast in der Auflösung der Band enden, verwundert dann schon nicht mehr.

Reiner und Kudlow sind allerdings schon viel zu lange miteinander befreundet, als dass sie sich nicht unter Tränen wieder versöhnen könnten. Gekünstelt oder gestellt wirkt das alles trotz immenser Theatralik nicht.

Selbst als sich für das fertig produzierte Album keine einzige Plattenfirma findet, geben die beiden nicht auf und beschließen kurzerhand, "This Is Thirteen" auf eigene Kosten pressen zu lassen und über ihre Website zu verkaufen. Sie haben dieses Album für ihre Fans gemacht, und die sollen es auch erhalten.

Fast ein Happy End
Der Kreis scheint sich am Ende des Films bei einem Konzert in Japan zu schließen, als Anvil bei einem Festival als erste Band gebucht sind und nicht ganz zu Unrecht befürchten, zur Mittagszeit in einer fast leeren 10.000er-Halle spielen zu müssen.

Das Gegenteil tritt ein, und den Protagonisten ist während des Konzerts anzusehen, dass es genau diese Momente sind, für die es sich lohnt, sämtliche Rückschläge auf sich zu nehmen. Ob alles doch noch gut wird, bleibt zwar offen, man freut sich aber gerne für die beiden.

Andere geben auf, Anvil machen weiter
Auch wenn dieser unter der Regie von Anvil-Ex-Roadie Sacha Gervasi entstandene Film wie die Metal-Version einer Folge von "Am Schauplatz" anmutet - der Titel "Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft" verspricht nicht zu wenig.

Kudlow und Reiner geben nicht auf und werden weitermachen, auch wenn sie laut eigener Aussage ihre 15 Minuten Ruhm bereits hinter sich haben. Viele andere hätten wohl schon längst aufgehört, und für diese Hartnäckigkeit und ihre innige Freundschaft bewundert man die beiden.

Genau jene Momente, in denen sich die innige Beziehung der beiden manifestiert, und die Leidenschaft der Band für ihre eigene Musik machen diesen Film so sehenswert, egal ob man nun Metal-Fan ist oder nicht.

Die BBC, ein Metal-unverdächtiges Medium, sprach in einem Beitrag von einem "Meisterwerk", und Michael Moore, den man auch noch nie bei einem Slayer-Konzert gesehen hat, zeigte sich über den "besten Dokumentarfilm" begeistert, den er "seit Jahren gesehen" habe.
Christian Holzmann, ORF.at

http://www.anvil-derfilm.de/

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Sammy23
 


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