Rechnung stellen als Hobbyband?

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Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon ChristophK » Donnerstag 13. Januar 2011, 13:07

Wir haben zu viel Erfolg! Sprich, T-Rock wird immer häufiger zu offiziellen Gigs mit guter Gage angefragt, soll da aber eine "ordentliche Rechnung" schreiben. In der Vergangenheit haben wir meist entweder auf privaten oder firmen-internen Veranstaltungen gespielt. Wir sind alle Angestellte und betreiben die Musik nur als Hobby.

Weiß jemand von Euch einen vor allem einfachen Weg, das Rechnungstellen sauber zu ermöglichen? Müssen wir dazu die Band als Gewerbe anmelden oder gar eine GmbH, AG, GbR oder sonstiges gründen? Wer versteuert dann die Einkünfte - die Band als Ganzes oder jeder selbst? Mit oder ohne MwSt?

Ich weiß, das Forum ersetzt nicht die ausführliche Beratung. Aber vielleicht könnt Ihr mich schon mal in die richtige Richtung bzw. auf die richtigen Webseiten lenken... Danke!
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Re: Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon olerabbit » Donnerstag 13. Januar 2011, 13:49

Hallo Christoph,

nein, diese Info ersetzt keinen Steuerberater. Aber wir hatten in meiner Band das gleiche Thema und haben uns schlau gemacht, u.a. arbeitet ein Schulkamerad von mir auf dem ortsansässigen Finanzamt. Diese Infos haben wir für uns zusammengetragen und ich gebe sie dir gerne als Anregung weiter.

Grundsätzlich ist die Frage zu beantworten, ob die Tätigkeit als "Liebhaberei" oder als "gewerbliche Tätigkeit" einzustufen ist.
a) Liebhaberei = die gesamte Tätigkeit findet im Privatbereich statt und Verluste können steuerlich nicht mehr geltend gemacht werden.
b) Gewerbe: Alle Einkünfte (Verluste/Gewinne, Einnahmen) sind steuerlich zu erfassen, da eine unternehmerische Tätigkeit vorliegt.

Die Grenzen zwischen Subjektivität und Objektivität verschwimmen aber gerade bei der Liebhaberei.
Ketzerische Stimmen sagen: fallen Gewinne an, gibt es für das Finanzamt was zu holen und es unterstellt ein Gewerbe.
Fallen dauerhafte Verluste an, die Erträge in anderen Einkuftsarten schmälern, dann ist es eben Liebhaberei.
Das FinAmt könnte bei Bands großzügig sein und nicht von selbst aktiv werden, es sei denn, jemand würde die Band anschwärzen.

1) Liebhaberei

Hauptkriterium Kriterien für Liebhaberei ist der Nachweis der fehlenden Gewinnerzielungsabsicht:
- Ausübung der Tätigkeit nur aus persönlichen Gründen und Neigungen (Hobby, Freizeitgestaltung, Ausübung in der eigenen Wohnung)
- Nebenberufliche Tätigkei: der Lebensunterhalt wird aus anderen Einkünften bestritten, es erfolgt keine aktive Akquisition von Aufträgen
- bei dauerhaften Verlusten wird weder die Tätigkeit eingestellt noch aufgegeben oder die Art der Betriebsführung verändert
- die Tätigkeit wird nicht nach allgemeinen betriebswirtschaftlichen Grundsätzen ausgeübt
- die eingesetzten Gegenstände/Investitionen verbleiben im Privatvermögen
- der sog.Totalgewinn (Summe aller Gewinne unter Abzug der Kosten und Aufwendungen der einzelnen Jahre) ist negativ
- Temporäre Gewinne sind nicht zu versteuern

2) Gewerbe

Hauptkriterium für ein Gewerbe ist eine selbständige und nachhaltige Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht:
- Hauptberufliche Tätigkeit
- Selbständigkeit = arbeiten auf eigene Rechnung und eigene Verantwortung.
- Nachhaltigkeit = grundsätzlich eine auf Dauer angelegte Tätigkeit.
= mehrjährige Tätigkeit, planmäßiges Handeln, auf Wiederholung angelegte Tätigkeit, Ausführung von mehr als nur einem Umsatz, Auftreten wie ein Händler.
- Gewinnerzielung = Überschuß der Einnahmen gegenüber den Ausgaben, d.h. die Tätigkeit wird aus wirtschaftlichen Gründen ausgeübt.
- Absicht = Ergebnis ist nicht wichtig, d.h. macht ein Unternehmer dauerhaft Verluste, verliert er nicht schon deswegen seine Gewinnerzielungsabsicht.
- Aufwendungen können steuerlich geltend gemacht und evtl. Verluste gegen andere Einkunftsarten verrechnet werden.
- Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr.
- Jeder Unternehmer ist umsatzsteuerpflichtig, d.h. gewerbliche Einnahmen sind grundsätzlich umsatzsteuerlich relevant (gilt auch für Verlustgeschäfte)
- Ein Liebhaberei-Unternehmen kann einkommensteuerlich irrelevant und umsatzsteuerlich relevant sein.

Versteuerung Fall 1:
Es liegen nur Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit vor (also keine anderen Einkünfte wie Kapitalerträge)
Betragen die Nebeneinkünfte nicht mehr als 410 Euro, bleiben sie vollkommen steuerfrei.
Liegen die Nebeneinkünfte zwischen 410 und 820 Euro im Jahr, sind sie teilweise steuerfrei (sog. Härteausgleich).
In diesem Fall wird ein Betrag vom Einkommen abgezogen, um den die Nebeneinkünfte niedriger sind als 820 Euro (der sog. Härteausgleich). Beispiel:
Nebenberufliche Einkünfte 600 Euro, Härteausgleich: 820 Euro ./. 600 Euro = 220 Euro, Zu versteuern 600 Euro ./. 220 Euro = 380 Euro.
Der Härteausgleich wird vom Finanzamt automatisch vorgenommen.

Versteuerung Fall 2:
Es liegen Einkünfte aus mehreren Einkunftsarten vor: Nebeneinkünfte gelten als gewerbliche Einkünfte.
In diesem Fall muß ermittelt werden, ob ein Gewinn (individuelle Einkünfte abzgl. individueller Aufwendungen) erzielt wird.
Aufwendungen sind:
- Abschreibung auf Investiotionen (Instrumente, Kabel usw.)
a) Geringwertige Wirtschaftsgüten (seit 2008: Anschaffungskosten bis 150 ,-) müssen im Anschaffungsjahr komplett abgeschrieben werden.
b) Höherwertige Wirtschaftsgüter (seit 2008: Anschaffungskosten zwischen 150,- und 1.000,-):
Gesamtanschaffungen eines Jahr müssen ab dem Folgejahr über 5 Jahre (= 20% pro Jahr) abgeschrieben werden.
c) Wirtschaftsgüter über 1.000,-: Abschreibung über die tatsächliche Nutzungsdauer.
- Fahrtkostenpauschale von 0,30 €/Km (Proben + Auftritte)
Bei wissenschaftlicher, künstlerischer oder schriftstellerischer Nebentätigkeit, auch Vortrags- oder nebenberufliche Lehr- und Prüfungstätigkeit,
können maximal 25% der Einnahmen (Max. 614 Eur) pauschal ohne Beleg abgesetzt werden, soweit keine Tätigkeit im Sinne des § 3 Nr. 26 EStG vorliegt.

Grundsätzlich ist anzuraten, ein Gewerbe anzumelden, sobald eine Band häufig in der Öffentlichkeit in Erscheinung tritt (öffentliche Auftritte, Plakatierung usw.), Zusatzumsatz z.B. aus dem Verkauf von Fanartikeln erzielt wird oder Equipment auf den Namen der Band angeschafft wird..

Ich hoffe, das hilft ein wenig weiter.

Liebe Grüße
Günter
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Re: Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon Gitarrenschlumpf » Donnerstag 13. Januar 2011, 14:24

Lieber Günter,

deine Ausführungen sind sehr ausführlich nicht ganz korrekt. Musiker haben kein Gewerbe, da es als freiberufliche Tätigkeit angesehen wird. Die korrekte Bezeichnung wäre "Freischaffender Musiker". Wenn Christoph mit seiner Band auftritt, würde ich das so regeln:

- Jeder Musiker besorgt sich ne Steuernummer für den nebenberuflichen Verdienst als Kleinunternehmer.
- Der Bandchef stellt an die Veranstalter ne Rechnung, wo alle Adresse und Steuernummern der Musiker drauf sind und Gagen einzeln aufgeführt werden. Umsatzsteuer (bei euch 7%) wird durch das Kleinunternehmertum nicht angegeben. Die Umsatzsteuer der Ausgaben (Klamotten, Equipment..) kann allerdings auch nicht gegengerechnet werden.
- Die Musiker geben ihren Zusatzverdienst beim Finanzamt an.
MfG, Marco

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Re: Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon olerabbit » Donnerstag 13. Januar 2011, 14:43

Hallo Gitarrenschlumpf,

das ist leider ein - vielleicht weit verbreiteter? - Irrtum und kann - wenn das FinAmt entsprechend drauf ist - teuer zu stehen kommen. Du hast insofern Recht: wo kein Kläger, da kein Richter. Und bestimmte Berufsgruppen fallen per se unter die kategorie "freischaffend". Musikbands gehören nach Aussage des Finanzangestellten NICHT per se dazu, diese müssen sich im Fall der Fälle der Einzelfall-Prüfung der genannten Kriterien stellen.

Unser Bassist z.B. spielt noch in einer anderen, regional bekannten Band. Diese hat aus eben diesen Gründen ein Gewerbe anmelden müssen. Das geschah bei der anderen Band auf Anraten eines eigens für diesen Fall hinzugezogenen Sterberaters.

Liebe Grüße
Günter
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Re: Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon Gitarrenschlumpf » Donnerstag 13. Januar 2011, 14:46

Also unser FA sieht das so wie ich. Ich bin seit 2001 freischaffender Musiker, unsere Band gibt´s seit 12 Jahren und hat bereits 2 Steuerprüfungen durch, bei denen alles okay war. 2 von 7 Mitgliedern sind Kleinunternehmer, die das genau so machen, wie ich´s geschrieben hab.

EDIT: Wie heißt denn das Gewerbe eures Bassisten?
MfG, Marco

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Re: Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon olerabbit » Donnerstag 13. Januar 2011, 14:50

Hi Marco,

dann freue ich mich für dich/euch, dann ist in deinem Fall alles geklärt und mit dem FinAmt einvernehmlich geregelt. Wie habt ihr das denn gemacht? Seid ihr aktiv aufs FinAmt zugegangen oder habt ihr einfach in der Steuererklärung Fakten geschaffen, die vom FinAmt akzeptiert wurden?

LG
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Re: Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon Gitarrenschlumpf » Donnerstag 13. Januar 2011, 14:55

Wie ich´s geschrieben habe: Jeder hat sich ne Steuernummer geholt (oder hatte schon eine), teilweise auf Kleinunternehmerbasis, und Cheffe hat Rechnungen mit allen Adressen, Steuernummern und Einzelbeträgen gestellt. Jeder Musiker/Techniker hat sein Zeug dann selbst versteuert. Da ich eine Menge Anlagevermögen habe, mach ich mein Zeug mit nem Steuerbüro, die Buchhaltung und FA-Kontakt erledigen.
MfG, Marco

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Re: Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon ChristophK » Donnerstag 13. Januar 2011, 16:13

Vielen Dank für Euer hilfreiches Feedback! Ich werde auf jeden Fall mit meinem lokalen Finanzamt reden und hören (und hier posten), was die dazu sagen.

Um die Diskussion einzugrenzen: Wir fallen definitiv gemäß Günthers (olerabbit) Definition unter die Kategorie "Liebhaberei" - wir wollen und machen (langfristig) keinen Gewinn, bestreiten unseren Lebensunterhalt (Gott sei Dank ;-)) als normale Angestellte und betreiben die Band nur als Hobby.

Marco (Gitarrenschlumpf), kannst Du mir mal ein Beispiel einer Eurer Rechnungen schicken? Ich stell mir das bei uns mit neun Bandmitgliedern ein bissl umständlich vor mit den Einzelgagen und -steuernummern. Geht als Steuernummer die, die man sowieso als Arbeitnehmer hat oder braucht man eine extra für die Band? Und hattet Ihr schon mal Probleme, weil der Auftraggeber unbedingt MwSt. ausgewiesen haben wollte?
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Re: Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon Gitarrenschlumpf » Donnerstag 13. Januar 2011, 16:24

Ne Rechnung muss ich mal besorgen. Die Steuernummer sind andere als die von eurem normalen Job. Wir weisen MWSt aus. 4 Musiker und der Techniker sind keine Kleinunternehmer. Wir haben auf den Rechnungen separat 7% (Musiker), 19% (Techniker) und 0% (Kleinunternehmer) als Umsatzsteuer ausgewiesen. Als Grundsatz gilt: Wer MWSt ausweist, muss sie auch abführen.
MfG, Marco

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Re: Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon olerabbit » Donnerstag 13. Januar 2011, 16:53

Gitarrenschlumpf hat geschrieben:
EDIT: Wie heißt denn das Gewerbe eures Bassisten?


Hi Marco,
unser Bassist kommt erst nächste Woche aus dem Krankenhaus. Sage dir dann bescheid, wie er "steuerlich heißt".
Ich weiß, daß jeder in seiner anderen Band Equipment auf seinen eigenen Namen kauft, um die Abschreibungen als Kosten geltend und von den eigenen Einkünften (Gage) abzugsfähig zu machen. Die sprechen sich bei Investitionen untereinander ab, damit das in einem ausgewogenen Verhältnis steht.

Ich glaube mal gelesen zu haben, daß du von der Musik lebst. Wenn das stimmt, ist deine Situation mit der von Angestellten nicht vergleichbar. Bei dir ist das klar, du bist ein "Freischaffender Musiker" und handelst wie ein Selbständiger, mit Rechnungen und so. Angestellte müssen alle steuerrelevanten Einküfte melden. Klar ist, daß die Musik bestenfalls ein Nebenerwerb sein kann (Versteuerung siehe oben). Ob die Musik steuerlich irrelevant ist (Liebhaberei) oder schon Nebenerwerbs-Dimensionen angenommen hat, muß im Einzelfall geprüft und entschieden werden.

Liebe Grüße
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Re: Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon taxman1997 » Freitag 14. Januar 2011, 09:31

Moin moin Männers!

Olerabbits Ausführungen waren ja schon sehr ausführlich und weitestgehend korrekt (teilweise kam ich mir ein wenig vor wie im Grundkurs Existenzgründer :-)). Bezüglich der Frage Liebhaberei/Gewerbebetrieb gibt es grundsätzlich eine klare Abgrenzung: § 18 EStG führt abschließend auf was zu den Einkünften aus selbständiger Arbeit zählt (und damit nicht der Gewerbesteuer unterliegt) und da ist die künstlerische Tätigkeit mit aufgezählt. Etwas schwieriger wird es schon wenn (wie von Gitarrenschlumpf vorgeschlagen) eine Gesamtrechnung aufgemacht wird in der auch der Techniker mit aufgeführt wird. Der ist nämlich kein Künstler und der kann (da spricht das Steuerrecht blumig von der Infektionstheorie) alles zu gewerblichen Einkünften machen. Die Vorgehensweise auf einer Gesamtrechnung unterschiedliche Leistungen mit unterschiedlichen Steuernummern abzurechnen erscheint mit allerdings ohnehin kritisch. Mal vorausgesetzt jemand vom Finanzamt würde sich die Mühe machen das zu Prüfen, dann könnte er meines Erachtens auch zu dem Resultat gelangen, dass es sich bei Eurem "Gebilde" um eine Personengesellschaft handelt (GbR: jeder Zusammenschluss von Personen zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels) die eine eigene Steuernummer benötigt und selbst umsatzsteuerpflichtig ist. Eine Frage die hierbei noch relevant wäre: Wie hoch sind die jährlichen Einnahmen? Liegt der nämlich unter 17.500 Euro, dann kann man sich auf die Kleinunternehmerregelung aus § 19 UStG berufen und hat mit der Umsatzsteuer nix am Hut.

@Christoph: Du kannst mir gerne 'ne PN schicken, dann können wir mal telefonieren. Das wird zwar die Beratung durch einen Kollegen vor Ort nicht ersetzen, aber Dir vielleicht schon die eine oder andere Frage beantworten.

Viele Grüße, schönes Wochenenede

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Re: Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon Luke » Freitag 14. Januar 2011, 16:31

taxman1997 hat geschrieben:
§ 18 EStG führt abschließend auf was zu den Einkünften aus selbständiger Arbeit zählt (und damit nicht der Gewerbesteuer unterliegt) und da ist die künstlerische Tätigkeit mit aufgezählt.


Da scheinen die einzelnen Finanzämter einen Ermessensspielraum zu haben. Meins betrachtet Covermucke nicht als künstlerische Tätigkeit, sondern als Gewerbe.
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Re: Rechnung stellen als Hobbyband?

Beitragvon taxman1997 » Freitag 14. Januar 2011, 17:21

...das liebe ich so an meinem Beruf...

Ich habe gerade mal in einem Kommentar nachgesehen: Der O-Ton eines der führenden Einkommensteuerkommentare bei der Aufzählung der gewerblichen Unternehmen lautet "Musiker und Musikkapellen sofern selbständig und nicht künstlerisch". Na wenn das nicht für 'nen bunten Abend taugt... Ich habe mal die BFH-Rechtsprechung zu dem Thema durchforstet. Was ich jetzt auf die Schnelle gefunden habe ist ein Urteil vom 19.8.1982. Dort geht es im Streitjahr 1973 um eine Band/Kapelle die Tanz- und Unterhaltungsmusik dargebracht hat, wobei offenbar neben eigenen Stücken auch gecoverte Sachen dargeboten wurden. Im Urteil wird die Truppe den Künstlern zugeordnet ==> keine Gewerbesteuer. Wer's brauchen kann schickt mir ne PN und kann das Urteil als PDF haben.

Ich sehe in den Fällen in der Gewerbesteuer aber nicht das große Problem: Erstens ist die Gewerbesteuer seit sie bei der Einkommensteuer zumindest teilweise angerechnet wird nicht mehr das Damoklesschwert, welches sie früher mal war (mal so zum Beispiel: tatsächliche Belastung bei einem Gewinn von 50.000 Euronen je nach Hebesatz der Gemeinde 500, bei 100.000 Gewinn ca. 1.500 Euro Gewinn, da waren früher ganz andere Zahlen im Spiel) Zweitens: In den meisten Fällen dürfte man sich eher um die Frage Liebhaberei ja oder nein streiten. Da ist die Gewerbesteuer eh' kein Thema, selbige wird ohnehin erst ab einem Gewinn in Höhe von 24.500 Euro festgesetzt...

Die Umsatzsteuer sollte hingegen im Auge behalten werden. Da können durch unbedeutsam erscheinende kleine Fehler flott größere Beträge in den Sand gesetzt werden. Hier sollte im Zweifel wirklich ein Steuerberater hinzugezogen werden.

Eins, so fürchte ich, muss sich Christoph und jeder andere abschminken: Er hatte da was von "einfach" gesagt. Deutsches Steuerrecht und einfach, da prallen dann wirklich zwei Welten aufeinander...

Viele Grüße

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